Dieses Thema ist insbesondere für Anfänger immer von großer Bedeutung, denn sie möchten möglichst schnell den weißen Gürtel (Obi) um den Bauch gegen einen farbigen Obi eintauschen. Man unterscheidet beim Karate zum einen zwischen Schülern und Meistern (Kyu- und Dan-Grade), zum anderen aber auch noch einmal unter den Schülern nach deren Graduierung, ausgedrückt durch die verschiedenen Gürtelfarben. Als Karate-"Meister" gilt, wer die Dan-Prüfung, d.h. die Prüfung zum Schwarzgurt, abgelegt und das Dan-Diplom erhalten hat. Es gibt insgesamt 9 Dan- und 9 Kyu-Grade. Zudem gibt es noch einige Zwischengürtel (z.B. gelb- orange), sie liegen jeweils zwischen den einzelnen farblichen Gurten.
Bei Wettkämpfen werden die beiden Kontrahenten mit einem blauen und einem roten Gürtel unterschieden.
Der rote Gurt bezieht sich nicht auf eine Graduierung.
Ebenso verhält es sich mit dem Blaugurt: Bei Wettkämpfen bedeutet das nicht, daß der Karateka "nur" den 5. oder 4. Kyu hat.
blauer
Wettkampfgürtel
Graduierungen und ihre farbliche Bedeutung
Die Schüler-Grade (Kyu). Unterschieden werden die Trainierenden in Schüler und Meister. Dies wird anhand der Gürtel klar erkennbar. Die Schülergrade (Kyu-Grade) tragen farbige Gürtel. Man beginnt beim 9. Kyu (weißer Gürtel) und steigt dann mit jeder Prüfung auf bis zum 1. Kyu (brauner Gürtel).
9.Kyugrad Der Beginn des Lernens. Hier legt der Meister (Prüfer) noch keinen Wert auf Geschwindigkeit und Kraft, dafür aber auf die richtige Ausführung und Endstellung der Techniken. Die Farbe Weiß symbolisiert die Reinheit, das Klare, das Saubere und steht insbesondere in Asien als Farbe für den Anfang - und auch der Trauer, bedingt durch das ständige Wiederholen der Grundtechniken. [zurück]
8.Kyugrad Der gelbe Gürtel symbolisiert die Sonne, Licht. Wärme sowie deren Wachstumseigenschaften, das den Weg nun begleiten soll. Das erste Lehrjahr hat begonnen. Dieser Grad wird nach 3-6 Monaten erreicht, wenn sein Bewegungsablauf in den Grundtechniken flüssiger geworden und ein Stocken vermieden werden kann.
Gelb ist eine warme Farbe. Das Schülerverhalten wird nun beschrieben als zeitweise schwerfällig und langsam, unschöpferisch und unglücklich. Mühevoll sind die Leistungen bei der Technikschulung und verkrampft noch die Basishaltung. Darüber hinaus gibt es bei der Erreichung dieses Leistungsgrades im Karate Do die höchste Absprungsrate. [zurück]
7.Kyugrad Der Orange Kyugrad wird mit der Farbe des Feuers verglichen, denn er verbrennt in dem Schüler die Angst, erwärmt ihn und schützt seine Entfaltung und Entwicklung im Karate. Das zweite Lehrjahr beginnt. Diesen Kyugrad erreicht der Schüler nach einer weiteren Trainingszeit von 4-8 Monaten. Nun sollte der Technikablauf wesentlich flüssiger sein. Der Schwerpunkt (Hara) sollte tiefer sitzen und die Koordination des Bewegungsablaufes sollte sicherer sein. Auch die Geschwindigkeit sollte mit einer erkennbaren Anspannung in der Endphase vorhanden sein. Das Schülerverhalten wird in dieser Zeit wesentlich ruhiger. Nur zeitweise ist der Schüler deutlich erregt, jedoch einfacher, disziplinierter, verständnisvoller und aufmerksamer gegenüber den Anweisungen des Meisters. [zurück]
6.Kyugrad Hier prüft nun der Meister bei seinem Schüler, inwieweit Geschwindigkeit, Anspannung in der Endphase und Koordination übereinstimmen. Auch die wechselweise Schwerpunktverlagerung spielt eine größere Rolle bei der Vergabe dieses Gürtelgrades. Das dritte Lehrjahr beginnt.
Grün entsteht durch das warme Gelb und das kalte Blau. Grün ist eine vorzügliche Farbe, um Ruhe und Erholung zu finden. Grün wirkt sich grundsätzlich bei einer bestehenden Gefühlslage steigernd aus. Der Schüler ist während dieser Zeit vielseitiger geworden und vor allen Dingen auch abenteuerlustiger in der Anwendung und Durchführung der Technikschulung. Nervös ist er dennoch um eine bessere Grundschule bemüht und versucht sich anzupassen. [zurück]
5.-4. Kyugrad Der blaue (DKV) oder violette Gürtel soll an die Reinheit und Klarheit des lebensspendenden Wassers erinnern, aber auch an seine ungezügelte und gefährliche Kraft. Die Farbe der Wassers soll den Schüler ermahnen und daran erinnern, dass das kostbare Gut auf dieser Welt für uns alle da sein sollte - und er dementsprechend mit seinem Wissen und Handeln sehr sorgsam umgehen sollte. Nach weiteren 6-10 Monaten Trainingszeit kann der Karateschüler die Prüfung zu diesen Kyugraden bestehen, wenn die ihm vorgeführten Grundtechniken nun schon sehr fließend sind. Die Ausführung und Endstellung der Techniken sollten gut mit dem Hüfteinsatz und dem Schwerpunkt koordiniert sein. Der blaue Gürtel verlangt eine hohe Konzentration und ist eigentlich der schwierigste Kyugrad. Er ist jetzt im vierten Lehrjahr. Das Verhalten der Schüler ist nun wie folgt zu charakterisieren: Brillant, froh, künstlerisch veranlagt und glücklich über seine Leistungen, die sich durch einen leichten Erfolg durch die Führung seines Meisters sowie einen harmonischen Bewegungsablaufes in der Technikschulung auszeichnen. Es kann aber auch zu kritischen Phasen kommen, etwa zu dem Beginn von Widersprüchen und Wutausbrüchen gegenüber dem Meister, Intrigen und Verleumdungen sowie Arroganz und Überheblichkeit in Problemsituationen. Wird vom Meister dieser Zustand nicht rechtzeitig erkannt, verliert der Schüler vor seinem Meister. [zurück]
3.-1. Kyugrad Die Farbe des braunen Gürtels soll den Schüler an die Macht der Berge erinnern und daran, dass es nun an der Zeit ist, sich mit dem Kosmos, dem Himmel zu befassen, damit ihm der Aufstieg zur Meisterschaft bewusster wird. Dieser letzte Schülergrad wird erst nach einer weiteren Trainingszeit von 8-12 Monaten erreicht. Der Schüler muss die richtige Führung des Körperschwerpunktes sowohl in der Vorwärts- als auch in der Rückwärtsbewegung beherrschen, ebenso wie den Wechsel von der Grundschulstellung in die andere. Darüber hinaus sollte die Koordination zwischen Armen und Beinen und der Körperhaltung, der richtigen Stellung der Hüfte und den Schultern sowie die angemessene Spannung bei der Endausführung der einzelnen Fuß- und Fausttechniken beherrscht werden. Braun ist nicht nur eine Farbe die unauffällig ist, sondern auch eine gewisse Bescheidenheit verkörpert und stabilisierend auf die Sicherheit des Einzelnen wirkt. Sie hat auch jene unbeugsame Kraft im Hintergrund, die letztendlich den Aufstieg zum Erfolg garantiert, die der treibende Faktor zum Meistergrad wird. Der Schüler zeichnet sich nun dadurch aus, dass er aktiv und zielstrebig, mächtig und mitleidlos, führend und erneuernd ist, eine eigenkritische Selbstachtung bildet sich, er ist kritikfreudiger gegenüber dem Meister und seinen Mitschülern, aber auch leider oft anmaßend und verletzend. [zurück]
Hier folgen nun Die Meister-, also Dangrade. Hat man diese einmal erreicht, gibt es noch lange keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Dangrade begleiten die Meister(-innen) auf ihrem Do, und zeigen, was es noch zu lernen, zu erkennen und zu überwinden gibt, wo welche Schwächen und Stärken liegen und wie der Weg des Karate erfolgreich fortgesetzt werden kann.
1.Dan Der erste Dan bedeutet Anfang, Ausgangspunkt und kündet von Einsamkeit, Isolierung im Erfolg, ist aber auch von Egoismus und Egozentrik gekennzeichnet. Paranoide Tendenzen können bei denen auftreten, die beim ersten Dan stehen bleiben. Es bedeutet aber auch, aufgerufen zu sein, vorrangige Stellungen einzunehmen und das eigene Glück der gemeinsamen Sache zu opfern.
An positiven Eigenschaften werden dem Sempai in dieser Zeit zugesprochen, zielstrebig und erfolgreich zu sein sowie mit einer guten Konzentrationsfähigkeit ausgestattet, schöpferisch, Neuem gegenüber aufgeschlossen, energisch, vertrauenswürdig und begeisterungsfähig. Negativ sind in dieser Zeit die Impulse dieser Karateka, aggressiv und herrschsüchtig zu sein und wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu zeigen sowie die mangelnde Fähigkeit, tiefe Freundschaften zu schleißen.
Der erste Dan ist der schwerste, aber auch der, mit dem man am schnellsten aufsteigen kann, denn durch ihn ist man dazu berufen, seine Pläne zu verwirklichen, zu leisten und aufzurichten. Er verleiht Ansehen und man wird ein Anführer oder ein Meister. [zurück]
2.Dan Dieser Dan ist das Symbol der Zweiheit, des Doppelten, das sein Positives und Negatives in sich trägt, seine Männlichkeit und Weiblichkeit. Der Träger des zweiten Dan ist der treue, seinem Meister ergebene Diener. Er ist derjenige, der durch Bescheidenheit und Beständigkeit den Erfolg der begonnenen Ausbildung ermöglichen wird.
Die Karateka werden in dieser Zeit als sanft, liebenswürdig, ausgeglichen, gewissenhaft, bescheiden und diplomatisch beschrieben. Mit ausgeprägten intellektuellen Fähigkeiten, aber ohne eigentliche schöpferische Anlage, bedingt durch den Gehorsam gegenüber dem Lehrmeister. Negative Eigenschaften sind etwa wankelmütig und zögerlich zu sein, ein besserer Untergebener als eine gute Führungspersönlichkeit., die gelegentliche Neigung zu Grausamkeiten beim Training und Arglist bei Prüfungen, um sein Ziel zu erreichen.
Der Weg des zweiten Dangrades ist für seinen Träger ein langsamer, ruhiger und leichter Weg zur Verbesserung seiner Lernfähigkeit. Dieser Weg kann sehr weit führen, wenn man mutig und ausdauernd mit seinem Lehrauftrag neue Wege geht. In dieser Gruppe der Danträger findet man viele Gleichgesinnte und Freunde, wenn eigene Interessen als sekundär betrachtet werden. [zurück]